Montag, 26. Januar 2009
Guantanamo
In spätestens einem Jahr, sagt Obama, müsse Guantanamo geschlossen sein. Für seine Fans ist dies ein Beweis dafür, wie zupackend und kompromisslos der Demokrat die Fehler seines republikanischen Vorgängers korrigiert.
Dieses Gefangenenlager auf Kuba verletzt die Prinzipien des Rechtsstaats und spricht den Menschenrechten Hohn. Solange es existiert, ist es ein Schandfleck auf der weißen Weste, die der schwarze Mann im Präsidentenamt nun der Welt präsentieren möchte. Würde man die Gefangenen dort rechtsstaatlich behandeln, dann müsste man sie, bei hinreichendem Tatverdacht und vorhandenen Beweisen, in ein Untersuchungsgefängnis innerhalb der USA überstellen. In allen anderen Fällen müsste man sie umgehend freilassen.
Die Freilassung der Menschen, gegen die nichts vorliegt, hat nicht noch ein Jahr Zeit in einem Rechtsstaat. Da greift auch das Argument nicht, dass ein Teil dieser Menschen gefährlich sei, u. U. terroristische Gewalttaten beabsichtige - und daher nicht entlassen werden dürfe, auch wenn keine Aussicht bestünde, ihm zum gegenwärtigen Zeitpunkt Straftaten nachzuweisen.
Muss ich Leser, die dieses Argument als plausibel und gerechtfertigt empfinden, tatsächlich darauf hinweisen, dass in einem Rechtsstaat die Unschuldsvermutung gilt? Dass der Rechtsstaat, neben seinen Vorzügen, auch den unvermeidlichen Nachteil hat, dass wir Menschen nicht einfach auf Verdacht ihrer Freiheit berauben können, selbst wenn uns zukünftige Straftaten dieser Menschen sehr, sehr wahrscheinlich erscheinen?
Und so bleibt Guantanamo solange ein Skandal, wie dieses Konzentrationslager existiert. Es ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, seine Schließung binnen eines Jahres anzuordnen. Gleichzeitig zeigt diese Frist aber, dass auch der neue amerikanische Präsident entweder nicht begriffen hat, was ein Rechtsstaat ist - oder aber dass er es damit nicht so ernst meint, wie er sein Volk und die Welt glauben machen will. Da der Mann Jurist ist, spricht viel dafür, dass die zweite Alternative zutrifft.
Wenn der neue amerikanische Präsident die Politik seines Landes ernsthaft rechtsstaatlichen Prinzipien unterwerfen will, dann ist es mit der umgehenden Schließung dieses Lagers nicht getan. Es spricht viel dafür, dass in diesem Lager die Gefangenen von Angehörigen des Militärs und der Geheimdienste gefoltert und gehirngewaschen wurden. Nur wenn Obama die kompromisslose juristische Untersuchung dieses Verdachts anordnet, kann er Glaubwürdigkeit beanspruchen in Sachen Rechtsstaat.
Amerika foltert nicht! So spricht Obama. Wenn Amerika es jetzt zulässt, dass Folterer ungeschoren davonkommen, dann wird Amerika auch in Zukunft foltern. Es gehört ja nicht nur zu den Prinzipien des Rechtsstaats, dass Unschuldige freigelassen werden - und als unschuldig gilt jeder, dem keine
Schuld nachgewiesen werden kann. Gleichzeitig müssen in einem Rechtsstaat - ohne Ansehen der Person - Schuldige auch bestraft werden - und zwar im Verhältnis zur Schwere ihrer Taten.
Präsident Obama hat Charisma, er ist ein brillanter Redner. Worte allein jedoch, glanzvolle Reden genügen nicht. Die Messlatte hängt höher.
Montag, 15. Dezember 2008
Hat die US-Regierung John Wayne umgebracht?
Ich las erst gar nicht weiter. John Wayne, der Inbegriff des reaktionären US-Boys, der hartgesottene Patriot, der glühende Antikommunist hat mit Sicherheit der US-Regierung keinen Anlass gegeben, ihn aus dem Weg zu schaffen.
Doch heute stieß ich zufällig auf eine Information, die diesen Fall in einem anderen Licht erscheinen lässt. Und in diesem Licht zeigt sich:
1954 drehte Wayne, zusammen mit Susan Hayword und Agnes Moorhead den Film "The Conqueror". Der Film kam 1956 in die Kinos. Wayne starb 1979 an Krebs. Hayward erlag dieser Krankheit 1975. Moorhead wurde 1974 vom Krebs dahingerafft. Und der Regisseur Dick Powell starb 1963, ebenfalls an Krebs.
Ein seltsames Zusammentreffen, könnte man meinen. Aber zunächst gibt es keinen Anlass, an einer natürlichen Ursache zu zweifeln. Schließlich war beispielsweise Wayne ein starker Raucher und Trinker. Und wer weiß, was die anderen so getrieben haben.
1980 wollte es die Zeitschrift "People Magazine" genauer wissen. Sie fand heraus, dass von den 220 Mitgliedern des Film-Teams (Schauspieler und Mannschaft) inzwischen 91 an Krebs erkrankt waren. Die Hälfte davon war bereits verstorben.
Dies ist ein mehr als seltsames Zusammentreffen, dass aus medizinstatistischer Sicht nicht mehr als zufällig betrachtet werden kann.
"The Conqueror" war ein Film über Dschingis Khan, gespielt natürlich von John Wayne. Gedreht wurde der Film nicht in der mongolischen, sondern in einer amerikanischen Wüste, in den Sanddünen unweit der Kleinstadt St. George, Utah. In dieser Gegend leben fromme Mormonen, die zu den sog. Downwinders zählen. Sie werden so genannt, weil sich ihr Wohngebiet im Bereich der Abwinde der Nevada Test Site befand. Dort fanden in den Jahren vor dem Dreh (und später auch) zahlreiche Atombombentests statt.
Noch Fragen?
PS: Die Geschichte ist nachzulesen in Harvey Wassermann u. a.: Killing Our Own. The Disaster of America's Experience with Atomic Radiation. New York: Delta Books, Dell, 1982
Sonntag, 9. November 2008
Nichts Neues unter der Sonne
Noch als in der Wahlnacht die Euphorie überkochte, meldeten sich Kommentatoren zu Wort, die von überspannten Erwartungen und notwendiger Enttäuschung sprachen. Dabei ist der neue Präsident doch ein smarter Mann, ein guter Redner, ein kühler Stratege, ein Entscheider mit Fingerspitzengefühl.
Warum prophezeit man sein Scheitern, bevor er sein Amt angetreten hat?
Alle lieben ihn doch. Sogar der geschlagene McCain. Sogar sein Amtsvorgänger Bush. Sogar jene, die ihn nicht gewählt haben. Alle lieben den zukünftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Alle trauen ihm zu, dass er die Menschen verschiedener Hautfarbe zusammenführt, dass er Arme und Reiche miteinander versöhnt, dass er in der Welt neue Freunde gewinnt, alte zurückgewinnt.
Dennoch: Fragt man nach seinen Aussichten, die angekündigte grundlegende Veränderung der Verhältnisse auch zu verwirklichen, dann findet sich kaum jemand, der ihm auch nur den Hauch einer Chance einräumt. Natürlich hat er eine reizende Frau... und erst die bezaubernden Mädchen. Klar, er ist ein Wirtschaftsfachmann - klar, er ist ein charismatischer Führer.
Warum ist er dann ein frisch ins Amt gewählter Versager?
Ganz gleich, in welche Weltgegend wir blicken - ob nach Europa, nach Asien, nach Afrika, nach Australien und erst recht nach Amerika - ganz gleich, welches politische System wir auch ins Auge fassen: dieser Planet gehört einer kleinen Zahl von Familien. Rechnet man noch alle Günstlinge dazu, dann umfasst diese Klasse der Super-Reichen rund 1,5 Prozent der Weltbevölkerung.
Diese Klasse ist unermesslich reich - und diesem Reichtum entspricht eine unermessliche Macht. Die allermeisten Politiker beugen sich dieser Macht, aus eigennützigen Motiven, aus Furcht oder weil sie Widerstand für zwecklos halten. Wer dennoch versucht, sich aufzulehnen, bekommt diese Macht sehr schnell zu spüren und wird in die Knie gezwungen.
Diese Klasse aber steht niemals zur Wahl. Darum gibt es keine Hoffnung, sei sie nun schwarz oder weiß.
Montag, 28. Juli 2008
Unterwürfige Deutsche
Unterwürfige Deutsche? Das ist natürlich, sagen die Deutschen, ist doch klar, sicher: Wahlkampf-Rhetorik. Polemik.
Ist es, zweifellos. Es ist die Sprache der Politik, also eine Halbwahrheit.
Freilich wollen sich die Deutschen wieder bei den Amerikanern ankuscheln, aber unterwerfen wollen sie sich nicht mehr, jedenfalls nicht bedingungslos. Sie wollen sich mit gutem Gewissen wieder auf die Seite der Amerikaner, des mächtigen Imperiums schlagen.
Der schwarze Präsidentschaftskandidat soll ihr Weltbild wieder zurechtrücken. Die Mächtigen sollen wieder die Guten sein, wie einst zu Zeiten Kennedys, und die Deutschen sollen wieder als Junior-Partner fest an der Seite der Guten stehen. Das ist der Traum. Und ein Mechanismus des Traums ist die Verdichtung. Und so ist im Unbewussten vieler Deutscher ein Hermaphrodit der wahre US-Präsidentschaftskandidat: eine Synthese aus Barack Obama und Hilary Clinton.
Doch ganz gleich, wer an der Spitze des Imperiums steht - und sei es ein Zwitter oder ein Marsmensch: Die Welt wird unter dem Militärstiefel dieser Supermacht ächzen, und in Zukunft vermutlich schlimmer als je zuvor. Es geht um Rohstoffe - und das Imperium beansprucht das größte Stück des Kuchens. Wer da kuscheln will, muss sich klarmachen, dass er jenseits von Gut und Böse kuschelt.
Und McCain. Der gehört zu jener Sorte, die will, das alles so wird wie früher. Früher waren die Deutschen noch unterwürfig. Früher konnte man es sich leisten, lieber mit verwundeten amerikanischen Kriegshelden Händchen zu halten, als bei den Deutschen für gute Stimmung zu sorgen. McCain - da weiß man, was man hat.
Dienstag, 8. April 2008
Demokratie aus der Retorte
Hillary Clinton hat einen Wahlkampfmanager gefeuert, der sie als "Polit-Roboter", als "weiblichen Taschenrechner" vermarkten wollte. Dabei feierte sie ihre bisher größten Erfolge, als sie sich mit weiblichen Gefühlsausbrüchen als Frau inszenierte, der die Wähler vertrauen können.
Diese Gefühlsausbrüche wirkten zugleich spontan und höchst kontrolliert - sie waren professionell dargestellte Emotionalität. In amerikanischen Wahlkämpfen treten keine realen Menschen gegeneinander an, sondern Phantome - und es wird vermutlich nicht mehr lange dauern, bis diese Phantome in den Computern Hollywoods entstehen wie die schrecklichen Dinos in Jurassic Park oder wie die netten Mäuse, Eichhörnchen und Rehlein in den einschlägigen Disney-Welten.
Man darf schließlich nichts dem Zufall überlassen - und dabei kommt es keineswegs auf den einzelnen Wähler an, auf sein Empfinden, seine Überzeugungen, sein Denken. Es geht vielmehr darum, aus einem segmentiertes statistisches Aggregat, einer abstrakte Masse ein paar Prozentpünktchen mehr herauszupressen als die Mitbewerber. Eine Träne hier, ein Stirnrunzeln da, ein Lächeln fast, aber nur fast so breit wie ein Scheunentor können da den Ausschlag geben.
Politiker werden mit wissenschaftlich fundierten markt- und werbepsychologischen Methoden verkauft wie Waschmittel, Autos oder Reisen an Traumstrände. Und dies nicht etwa, weil die Amis einen schlechten Geschmack hätten, weil sie kulturlose Barbaren seien. Wir hier im alten Europa haben diese Methoden längst übernommen. Davor schützten uns nicht Goethe, nicht Schiller, nicht Dürer, nicht Beethoven und auch nicht die zauberhaften Schlösser des Bayern-Kini. Unser Kulturgut schützt uns nicht, weil in unserer Form der marktwirtschaftlichen Demokratie Politik ganz zwangsläufig in den Sog des Marketing gerät.
Dies bedeutet natürlich nicht im Umkehrschluss, dass die Marketing-Politiker immer lupenreine Demokraten seien. Ihren beispiellosen Siegeszug verdankten die Nationalsozialisten zu einem erheblichen Teil der Tatsache, dass sie als erste politische Partei in Deutschland amerikanische Marketing-Methoden importierten. Seither sind diese Methoden auch aus deutschen Wahlkämpfen nicht mehr wegzudenken.
Ist nun die marktwirtschaftliche Demokratie generell schuld an solchen Entgleisungen, die letztlich den Geist der Demokratie ad absurdum führen? Dieser Geist heißt ja: Mündige, aufgeklärte Bürger entscheiden kompetent darüber, wer sie in die Zukunft führen soll. Ist also die marktwirtschaftliche Demokratie ein Widerspruch in sich selbst?
Man sollte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Diese "amerikanischen" Methoden der Politik sind doch wohl eher ein Ausdruck einer bestimmten Variante des Kapitalismus, deren einflussreichste Vertreter sich allerdings in den Vereinigten Staaten finden. Und sie verfügen dort auch über die Machtmittel, um diese Variante weltweit durchzusetzen. Diese Variante ist der "klassische Liberalismus", der heute unter dem Etikett "Neoliberalismus" verkauft wird, obwohl der Neoliberalismus ursprünglich eine Gegenbewegung zum klassischen Liberalismus war. Aber auch dieser Etikettenschwindel ist eine bezeichnende Manifestation der Marketing-Politik, die Demokratie zur Fassade degradiert.
Sonntag, 9. Dezember 2007
Karl Marx und die Atombomben
"Weber hat mich vieles gelehrt, Marx hat die Menschheit verdorben. Ich verbrachte meine Kindheit in der dauernden Angst vor dem Atomkrieg. Er hat mir persönlich indirekt viel angetan."
Ich antwortete ihm:
Nicht Marx, sondern die Amerikaner haben die ersten Atombomben abgeworfen - und diese auch nicht auf Marx (der sie dazu gar provoziert hätte), sondern auf japanische Städte.
In Kenntnis der historischen Abläufe drängt sich mir allerdings der Verdacht auf, dass diese Bomben weniger die letzten des Zweiten Weltkriegs, als vielmehr die ersten des Kalten Krieges waren und vor allem die Funktion hatten, die Sowjets einzuschüchtern.
Mussten die Sowjets eingeschüchtert werden, weil sie durch Marx, den Bösen Buben so gefährlich geworden waren? Dies will sich mir nicht erschließen, weil Stalin auch den mildesten Hauch des leisesten Anflugs marxistischen Denkens nachhaltig aus der sowjetischen Ideologie getilgt hatte. Während des Zweiten Weltkriegs war "Uncle Joe" bei den Amerikanern übrigens wohl gelitten und galt als beinahe demokratisch.
Was die Amerikaner, als das Ende des Waffengangs absehbar war, allerdings mächtig nervös machte, war der wahrscheinliche russische Territorialgewinn und damit eine imperiale Konkurrenz, die es in Schach zu halten galt.
Deine sich nun mit großen Recht entwickelnde Angst vor einem Atomkrieg hatte wenig mit Marx zu tun, statt dessen aber viel mehr mit ökonomischen und geostrategischen Verhältnissen, für die man den Trierer Revoluzzer nun wirklich nicht verantwortlich machen kann.
Denn es stellte sich schnell heraus, dass eine /direkte/ Konfrontation zwischen den Amerikanern und den Sowjets, wenn überhaupt, nicht auf asiatischen oder sonstwo angesiedelten Nebenkriegsschauplätzen, sondern mitten in Europa stattfinden würde.
Hier aber besaßen die Sowjets ein gigantisches Aufmarschgebiet und vor ihnen lag nur ein schmaler Streifen, der sich vom Atlantik trennte. Hier war die NATO im Falle eines rein konventionellen Krieges hoffnungslos unterlegen.
Zunächst erwog man bei einem sowjetischen Angriff einen nuklearen Gegenschlag mit strategischen Atomwaffen, musste sich aber schnell eingestehen, dass es dann keinen Gewinner geben würde - und Niederlagen sind bekanntlich unamerikanisch.
Also kam man mit der NATO überein, den Schlagabtausch, falls erforderlich, mit taktischen Atomwaffen zu führen, und zwar in Deutschland. Eine konventionelle Aufrüstung wurde kurzfristig erwogen, aber verworfen, denn es wäre einfach zu teuer gewesen, konventionelle Streitkräfte, die den Sowjets in Deutschland hätten Paroli bieten können, bereitzustellen.
Du erkennst vermutlich, dass diese Maßnahmen den Atomkrieg in Deutschland führbar machen sollten. Man hoffte, die Sowjets mit taktischen Nuklearwaffen zum Rückzug zwingen zu können. Da nicht geplant war, russisches Territorium zu bombardieren, hoffte man, dass die Sowjets ohne weltweiten Gegenschlag dazu bereit wären, da ein verlorener Waffengang in Deutschland keinen Gesichtsverlust für sie bedeutet hätte.
Man bildete sich ein, dass man durch den Einsatz taktischer Nuklearwaffen die atomare Verseuchung Deutschlands auf sog. Killing Zones beschränken könne. Darunter verstand man geeignetes Gelände entlang der deutsch-deutsch Grenze, in das man die sowjetischen Verbände mit konventionellen Waffen zu treiben hoffte, um sie dort dann mit atomaren Landminen zielgenau in die Luft sprengen zu können. Noch heute findet man entlang des ehemaligen "Todesstreifens" Vorrichtungen, zum Beispiel an Brücken, die diesem Zweck dienen sollten.
Kenner der Szene vermuten, dass die NATO, mit den von der CIA entwickelten Gehirnwäschemethoden, junge Menschen, in allerfrühester Kindheit beginnend, dazu abgerichtet hat, sich als menschliche Zündmechanismen dieser Landminen selbst zu opfern (Himmelfahrtskommandos).
All diese Zusammenhänge sind entweder durch Quellen gut belegt oder sie lassen sich aus diesen nach menschlichem Ermessen zwingend rekonstruieren. Es ist aus meiner Sicht nicht zu erkennen, welche Rolle ein gewisser Karl Marx aus Trier dabei gespielt haben sollte. Es ist aber sehr wohl zu erkennen, dass ein Atomkrieg, mitten im Herzen Europas, keineswegs nur eine theoretische, wie viele damals glaubten, sondern eine überaus reale Möglichkeit war.
Interessant ist, dass in dieser Geschichte die ideologische Dimension eine viel geringere Rolle spielt, als man angesichts der, mit gewaltigem Aufwand geführten, Propagandaschlachten während des Kalten Krieges eigentlich vermuten sollte. Hinter dieser Fassade aus Lärm und Geschrei vollzogen sich Prozesse, die eher durch eine wirtschaftliche und militärische Mechanik gesteuert wurden. Wenn man Karl Marx nun unbedingt ins Spiel bringen will, dann könnte man die entsprechenden Auslassungen mit seiner berühmtesten Aussage beginnen: Das Sein bestimmt das Bewusstsein.
Dass Marx die Menschheit verdorben habe, ist eine steile These. Sie führt sich allein darum selbst ad absurdum, weil es da ja ohnehin nichts mehr zu verderben gab.
Gruß
Ulrich
Sonntag, 26. August 2007
Das Leben als Kuckucksuhr
Es dauert nicht lange und kaum haben wir die politisch korrekte Worthülse verinnerlicht, dann bemerken wir gar nicht mehr, dass sich unser Denken und Empfinden im Kern nicht verändert hat. Die alten Ressentiments brodeln im Untergrund unserer Seele weiter, aber unsere Psycho-Fassade ist frisch gestrichen. Das spart Kraft und Energie. Und da die Menschen um uns herum genau wie wir politisch korrekte Zombies sind, schwimmen wir im Strom und kommen gut voran.
Wie aus der Pistole geschossen poppt bei gegebenem Anlass die richtige politisch korrekte Bezeichnung hervor, so wie früher der Arm hochschnellte, wenn man einen entsprechenden Uniformträger sah. "Heil Hitler" war früher ja auch einmal politisch korrekt, nicht "Guten Tag". Wie gesagt: Man muss nicht darüber nachdenken, was sich hinter den Phrasen verbirgt, wenn's nur die jeweils richtigen sind. So ist Demokratie ganz leicht.
